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schon wieder krank?

Hyperchondrie, die gespielte Krankheit…

 

Wir kennen solche alle und habe Auswirkungen eines solchen Leidens alle schon einmal erleben dürfen oder zumindest selbst provoziert. Wer kennt die Situation nicht, wenn man sich mit Älteren streitet und die Argumente gehen aus, sich die Gegenseite vorwurfsvoll ans Herz greift. Auch gespielte Migräne hat schon so manche Liebesnacht vor dem eigentlichen Beginn beendet, ohne das jemand vorher wie bei der Herzgeschichte erst kurzatmig werden musste!

 

Ich glaube diese Art von Erkrankung ist hier sehr häufig zu finden. Fast jeder hat manchmal das Bedürfnis sich in einen medizinisch unheilbaren Fall zu verwandeln. Es kann manchmal sehr hilfreich sein, ein mir ist nicht gut mit Schmerzzereisenden Gesicht der Umwelt mitzuteilen. Es gibt sie halt, die unangenehmen Momente im Leben, wo man sich wünscht, dass die Einkaufstüten jemand anderes trägt und die Rückenschmerzen einfach passen! Oder der nächste unangenehme Termin in der Firma bevorsteht und man sich mit der anstehenden Amputation herausredet.

 

Schlimm wird es für die Umwelt immer dann, wenn das eingebildete Krankheitsbild Lebensinhalt wird, also nicht länger Zweck sonder Allheilmittel.

Da erfährt man plötzlich vom Kollegen, dass der Kopfschmerz ein Gehirntumor und die Darmgrippe tödlich ist. Wie stellt man sich solchen Überraschungen und was soll man außer Lachen jetzt entgegnen. Ein einfaches Rezept gibt es hierfür nicht. Meistens lenke ich mit eigenen unheilbaren Gegenerkrankungen ab, aber es muss spektakulär sein. Also nicht plump Krebs und dann die Pause. Es sollte schon im Vorfeld davon gefaselt werden, dass der soziale Dienst im betreutem Wohnen sich um einen schon länger kümmert und der Krebs im Griff ist, dass ist aber nur zufällig herausgekommen wie die mich damals von der Euro Transplantliste gestrichen hatten und die neue Leber seit letzter Woche nun endlich arbeitet, danach ein Herzzereisendes Nicken und abschließend die Erwähnung was heute ambulant so alles möglich ist und man in guten Händen war.

 

Die anschließende Ernüchterung beim Zuhörer erstickt jeglichen Kommentar sofort im Keim. Ich bin immer wieder erstaunt welche Krankheiten sich da so ausgedacht werden und wie die damit verbundene Lebenssituation bildreich geschildert wird. Neulich erklärte mir eine 30 jährige, dass ihre Arthrose wahrscheinlich zu einem Treppenaufzug zuhause führen wird und die Krankenkasse wohl nicht vor hat sich an den Kosten zu beteiligen, also quasi Doppelschicksal! Man muss erwähnen sie ist Leistungssportlerin und achtet bewusst auf ihren Cholesterin und jetzt Treppenaufzug. Ich habe mit einem künstlichen Hüftgelenk gekontert und dem Hinweis gegeben das wohl gepfuscht wurde! Damit war der Treppenaufzug sofort von der Tagesordnung gestrichen.

 

 Wichtig ist hierbei auch das ausschmücken von Folgeerkrankungen und den Verweis auf Spätfolgen anzufügen. Man kann quasi eine an sich tödliche Krankheit mit sehr viel mehr Tragik anhäufen, wenn man die Spätfolgen richtig in Szene setzt. Ärztepfusch mit Tränen verziert ist auch sehr hilfreich und da kann man schon mal weglassen das es in der Familie eigentlich alle haben und es hoffnungslos ist.

 

Ich finde solche Erfahrungen unheimlich spannend, wenn Mitmenschen vertieft in ihre eingebildete Erkrankung vor Selbstmitleid zerfließen! Die um sich versammelte Welt so richtig anklagen, nur für ein bisschen Verständnis und Mitleid und dann das gegenseitige Hochbieten an Schwere der Erkrankung endlich beginnen kann….

 

Was wären Familienfeiern, wenn nicht das Thema mit den Krankheiten ganz hoch oben in den Charts stehen würde? Jeder der Anwesenden hat immer etwas Mittelschweres bis unheilbares und nach den ersten Krankheitsvergleichen steigert sich das Mittelschwere alsbald zum tödlichen. Was machen eigentlich Menschen die vor lauter Stress überhaupt keine Zeit haben sich Erkrankungen zum Selbstschutz auszudenken???

 

Ich wünsche aber trotzdem

bleibt gesund…

1 Kommentar 14.11.06 13:51, kommentieren

körperliche Liebe immer okay???

Kennt ihr das nicht auch, die seltsamen Spielarten in der Liebe?! Das Fernsehen und die Magazine sind voll von so was. Da wird der Liebste ans Andreaskreuz gehängt oder die Liebste mit der Reitgerte gezüchtigt und das ist erst ihr beider Glück. So oder so ähnlich kann man es als normal überall lesen und sehen!

 

Oft habe ich mich in der Vergangenheit um Verständnis für so was bemüht und gehofft Erleuchtung kreuzt meinen Weg bei solcher Situationsbeschreibung. Einerseits ist es sicher toll, den Partner auch mal ohrfeigen zu dürfen und ihm somit noch was Gutes anzutun.  Wie oft hatte ich mir bei bösen unfairen Streitereien so was schon gewünscht? Wer lebt nicht in einer Beziehung wo er nicht einmal gerne die Daumenschrauben bei seinem Gegenüber gerne anlegen würde? Dazu noch völlig wertfrei, bis auf eine vielleicht lustvolle Bestätigung dieser Handlungsweise?

 

Das Problem wird allerdings schon vorher ersichtlich, wer praktiziert einen solchen Lebenswandel. Kennt man eventuell Leute die sich privat auf der Streckbank ausleben und mit Klammern an den Brustwarzen shopen gehen? Ich schloss so was innerhalb meines Bekanntenkreises immer aus und konnte mir das lustvolle auspeitschen nur bei Vorgesetzten vorstellen!

 

In Wahrheit ist es wohl aber keine Minderheit die sich in solchen Spielchen bei der Fortpflanzung ausleben. Wenn man sich diesem Thema ernsthaft annimmt, stellt man schnell fest wer alles die Handschellen in der Nachttischkommode hat!  Die Handschellen werden vermutlich noch toleriert von der Umgebung, wo aber genau liegt die Grenze? Und ich meine die gesellschaftliche Grenze an Akzeptanz!

 

 Die Vielfalt von diesen Spielarten ist sehr wechselhaft, dass kann von autoerotischen Spielchen bis hin zu mittelalterlichen Folterung im Wechselbad der Lust reichen! Für den Außenstehenden beides unverständlich, ich jedenfalls kann mir Sex mit einer Plastiktüte über dem Kopf,  am Andreaskreuz hängend überhaupt nicht vorstellen! Aber ich kann mir im Esszimmer auch keine Liebesschaukel vorstellen und das hat überhaupt nichts mit SM zutun!

 

Der Schlüssel ist, wie man für sich selbst anscheinend Erotik definiert, also da wo es anfängt für einen selbst körperlich spannend zu werden. Für den einen machen das schon allein Dessous oder eben das fehlen von jeglicher Unterwäsche und für den anderen sind es halt die Krokodilsklemmen an exponierten Stellen! Aber es scheint auch das Gedankliche SM zu geben. Dort wird sich über Rollenspiele und Machtfantasien ausgelebt. Ein breites Feld wie ich meine und auch nur hier wird wenn überhaupt nur schemenhaft ein Reiz für mich offenkundig. Mir reichen an und für sich die Machtrollenspiele im Beruf, wo ich zweifelfrei eher devot veranlagt seien muss und in der Befehlskette leider nur in der Mitte zum tragen komme. Zwar fallen Wachspiele und Peitschenhiebe hier nicht näher ins Gewicht, aber ich fühle mich halt eher dominant….

 

1 Kommentar 14.11.06 13:56, kommentieren

Singlebörsen, Hoffnung oder Abgrund?

Man kennt Sie, die Singlebörsen aus dem Netz! Da wird die laszive 22 Jährige präsentiert, die alles will und braucht und das sofort. Man(n) ist geneigt hier sofort zuzuschlagen und sich auf das Abenteuer einzulassen. Schnell noch Premiummitglied geworden und schon geht es los…

 

Wie naiv muss man sein um sich hier verarschen zu lassen? Ich glaube beide Geschlechter nehmen sich hierbei nicht viel. Ob es um die dralle Nelly sich dreht oder den heißen Stephan, sehr schnell wird zugestimmt und für kleines Geld die erste Kontaktbotschaft verschickt.

 

Ich habe mich immer gefragt, ob körperlicher Kontakt wirklich so schnell zu erzielen ist und natürlich ausschließlich mit Naturschönheiten? Wenn man in den Texten ließt, Anfang 20, intelligent und äußerst unerfahren will jetzt endlich die Geheimnisse der Liebe kennen lernen und sucht Ihn ab 20cm, ruhig etwas älter, war ich meist verdutzt!  Sucht das unerfahrene Laufstegmodell wirklich den in die Jahre gekommenen Mittvierziger mit Bauansatz um Geheimnisse aufzuklären? Kann es wirklich sein, dass Maße 90-60-90 hier sofort erobert werden wollen, ohne auch nur jeglichen optischen Anreiz als Gegenleistung zu wünschen und der normale Werbungsanspruch Luxus ist?!

 

Die Angst im günstigsten Fall nur das fremde Gesichtssegelschiff an den Klippen der eigenen Unzulänglichkeit zerschellen zu sehen war allerdings immer größer! Klar es gibt sicher auch die seriösen Seiten, wo Man(n) schnell die Hausfrau nach missglückter Zweisamkeit für die Romantik im Vorabendprogramm sicher näher kennen lernen kann, aber sucht man nicht eher die Schönheitskönigin in der nächsten Stadt? Was wird von beiden Seiten hier überhaupt gesucht? Ist es ausschließlich der Tausch von Genmaterial oder die Langersehnte Partnerschaft mit Happy End? Und wenn dem wirklich so ist, kann das überhaupt im Internet funktionieren. Was ist aus den guten alten Kontaktanzeigen geworden, wo Chefsekretärin Anfang 30, mit eigenem Auto das romantische Lebensende unter Chiffre zu zweit sucht? Gibt es den Zahnarzt mit eigenem Porsche und Villa auf  Sylt, der dich schon immer gesucht hat jetzt nicht mehr?

 

Es hat sich im Wandel unserer Zeit viel verändert. Rasenschnell  ist Partnersuche mit Bildzuschrift im Netz geworden. Es gibt sogar Bewertungsseiten für das Danach und selbst Treuepunkte für das eigene Profil sind kein Absurdum!

 

Ich stelle mir solche Bekanntschaften außerordentlich romantisch vor, wenn sich das spätere Paar in die Augen blickt und sie mit heiserer Stimme haucht: “weist du noch wie wir uns kennen gelernt haben und du mich sofort angeklickt hast?“

 

Inzwischen tendieren diese öffentlichen Kontaktmärkte allerdings zu diesem zweideutigen mehr..

Diese Art von mehr, wo es darum geht den 3. oder 4. Partner zu der gewünschten innigen Zweisamkeit zu finden. Es scheint ja eine Normalität geworden zu sein, hier mit solchen morbiden Grenzerfahrungen aufwachten zu können um überhaupt mitreden zu können. Eine Partnerschaft die nicht mindestens 1x im Monat zum Rummelplatz der Vielseitigkeit im eigenen Schlafzimmer avanciert, wird ja nicht mehr ernst genommen. Da macht dann der Vermerk im Kleingedruckten solcher Texte auch nichts mehr, dass beide Partner Bi erfahren sind und ausschließlich perverses ablehnen. Hallo, perverses ablehnen????

 

Ich war zwar niemals ein krasser Gegner von Andersdenkender, sehe mich hier aber sehr gerne im Abseits dieser Neuerungen von zukünftiger Partnerschaft. Geht die eigene Erfüllung wirklich solche Umwege und muss man für das eigene Glück wirklich erst zum Verkehrsrowdy in fremden Schlafzimmern werden und möchte man das überhaupt? Und wenn man es möchte mit wem, das hier dargebotene ist nun wirklich keine Alternative! Ich finde Popmusik ja auch gut, nur deswegen kaufe ich trotzdem keine Roy Black Platten….

 

Wo sind die guten alten Beziehungen geblieben, die glücklich nach 3-5 Jahren in einvernehmen geschieden werden? Wo trifft man den wirklich die Schönheitskönigin, der das Glück mit einem Mann reicht und nicht noch die Nachbarschaft mit Autogrammen hinterher beglücken muss?

 

Für mich kann ich diese Fragen außerordentlich positiv beantworten, weil ich sie bereits gefunden habe. Trotzdem lese ich Kontaktanzeigen weiterhin mit viel Freude und Anteilnahme….

 

Allein schon aus dem Grunde um zu erfahren welches Krankheitsbild bereits an mir vorüber gegangen ist!!

1 Kommentar 14.11.06 14:05, kommentieren